Alexandra Franke

Die Innovation: Ausstellung „Sei (k)ein Mann"
Die Ausstellung „Sei (k)ein Mann" entstand als Abschlussarbeit im Fach Integriertes Design und untersucht, wie Männlichkeitsbilder gesellschaftlich konstruiert werden und welche Folgen dies für alle Geschlechter hat. Alexandra Franke führte dafür qualitative Gespräche mit Männern verschiedener Generationen, startete eine breit angelegte Online-Befragung und holte fachliche Einschätzungen von Psycholog:innen, Soziolog:innen und Gender-Expert:innen ein. Die gesammelten Aussagen – über Gefühlsausdrücke, Vaterschaft, Selbstwahrnehmung und gesellschaftlichen Druck – verwandelte sie in eine räumliche Erfahrung, die Besucher:innen durchlaufen konnten.
Scherenschnitte aus Papier und Stahl und Tonaufnahmen schufen dabei eine Atmosphäre, in der stereotype Rollenbilder sichtbar wurden, aber auch echte Stimmen zu Wort kamen, die von Zweifeln, Hoffnungen und Veränderungswünschen erzählten. Das Konzept verzichtete auf Schuldzuweisungen und setzte stattdessen auf Dialog: Können Männer neben der Täterrolle im Patriarchat auch die möglichen Mitgestalter einer geschlechtergerechten Gesellschaft sein?
Gleichzeitig wurde deutlich, dass starre Erwartungen an „echte Männlichkeit" nicht nur Frauen und nicht-binäre Personen benachteiligen, sondern auch Männern selbst schaden – emotional, sozial und gesundheitlich. Die Gestaltung wurde hier zum Vermittlungswerkzeug für geschlechtergerechte Bildung und demokratische Werte wie Teilhabe, Reflexion und Empathie.
Erstmals präsentiert wurde die Installation im Februar 2025 im Kulturzentrum Pluspunkt Dessau; sie ist als mobile Ausstellung konzipiert und kann an anderen Orten gezeigt werden. Die Landesjury Sachsen-Anhalt bewertete das Projekt als vorbildlich für die Verbindung von Kunst und gesellschaftlichem Engagement und verlieh Alexandra Franke den Gleichstellungspreis 2025.
Die soziale Innovatorin: Alexandra Franke
Alexandra Franke studierte Intergriertes Design an der Hochschule Anhalt in Dessau, einem Studiengang, der gestalterische, konzeptionelle und soziale Fragestellungen verknüpft. Ihr Abschlussprojekt 2025 widmete sie der Frage, wie Männlichkeit gesellschaftlich geformt wird und welche Auswirkungen starre Rollenbilder auf Individuen und Gemeinschaften haben.
Für die Ausstellung „Sei (k)ein Mann" investierte sie erheblich Zeit und eigenes Geld und ging damit weit über die Anforderungen einer Bachelor-Thesis hinaus – ein Engagement, das die Preisjury ausdrücklich hervorhob. Im Juni 2025 wurde sie im Anhaltischen Theater Dessau mit dem Landesgleichstellungspreis Sachsen-Anhalt in der Kategorie „Stärkung der Demokratie durch geschlechtersensible Bildung" geehrt und erhielt 1.000 Euro Preisgeld.
Neben ihrem Studium war sie 2022 Mitinitiatorin der Gruppe „weissraum", die von Designstudierenden gegründet wurde, um studentische Arbeiten öffentlich sichtbar zu machen. Die Gruppe organisierte bereits zwei Ausstellungen in Dessau und kooperierte dabei mit dem Anhaltischen Kunstverein – ein Beispiel für Alexandras Fähigkeit, Netzwerke zu schaffen und gemeinsam Projekte zu realisieren.
Heute entwickelt Alexandra Franke im Bereich der kulturellen Bildung in den Deichtorhallen Hamburg Vermittlungsformate zwischen Kunst und Gesellschaft. Ihre Arbeitsweise zeichnet sich dadurch aus, dass sie künstlerische Gestaltung mit fundierter Recherche und gesellschaftlicher Relevanz verbindet – Design wird bei ihr zum Werkzeug für Bildung und Veränderung.
Mit „Sei (k)ein Mann" beweist sie, dass kreative Disziplinen nicht nur ästhetisch wirken, sondern aktiv zu gleichberechtigteren und offeneren Gesellschaften beitragen können.
Weitere Nachweise:
